Montag, 1. Juni 2015

Von Süden nach Norden und irgendwo dazwischen

Timna Park

Noch während des Tauchkurses hatten wir Zeit am Abend in den etwa 30 Kilometer von Eilat entfernten Timna Park zu fahren. Das Hinkommen hat sich zunächst ein bisschen schwierig dargestellt, da uns niemand beim Trampen mitnehmen wollte, aber als Simon an einer Tankstelle zwei Taucher getroffen hatte, durften wir natürlich sofort mitfahren. An der Kreuzung rausgelassen, konnten wir sofort die Schönheit des Negev par excellence betrachten.
Doch der Weg hat sich als länger entpuppt als erwartet. Also liefen wir und liefen wir und liefen wir.



Am Besucherzentrum angekommen, war es wie ausgestorben. Da der Park schon geschlossen war, konnten wir natürlich aber ungehindert hinein. Aber es fuhren noch vereinzelt Autos auf den Highways entlang und eines hat uns dann ein ganzes Stück mitgenommen. Es waren dann noch ein paar hundert Meter bis zu den Solomon pillars, einer Gesteinsformation, die schon die Ägypter vor tausenden Jahren als Sakral- und Zeremoniebereich nutzten. Noch heute sind Reste eines Altares und von Wandmalereien zu sehen. Die Solomon pillars sind etwa 40 Meter hoch und die Spalten laden zum free-climbing gerade zu ein. Ich bin dann auch einige Meter hochgeklettert, doch war mir das Beenden des Tauchkurses vorerst wichtiger und ich wollte kein unnötiges Risiko eingehen, also bin ich nicht ganz so hoch geklettert.


Die Solomon pillars

Geeeeil zum Klettern!
Direkt mal ausprobiert^^

War wohl laut Informationstafel eine ägyptische Wandmalerei
Dann verschwand auch schon die Sonne allmählig hinter den Bergen und wir machten uns auf den Weg zum Timna lake. Anders als erhofft, war es dann doch ein künstlich angelegter  See mit Gästehaus nebenan. Dort trafen wir aber eine große Gruppe Israelis, die für 3 1/2 Monate den "Israel trail" bestritten haben. Der Israel trail ist ein Wander- und Biking-Pfad durch ganz Israel. Vom obersten Norden am Berg Hermon, bis an den Südstrand Eilats.
Die Gruppe hatte junge und teilweise echt alte Leute dabei. Alle gehen in einem Tempo, sitzen abends zusammen und singen. Es war ein echt schöner Anblick, Generationen zusammensitzen zu sehen und das in einem so warmen Miteinander.


Dann mussten wir uns doch letztendlich wieder auf Weg in Richtung Hauptstraße machen und ich fragte Google Maps nach dem besten Weg. Es sagte, wir sollten durch die "Timna mines" gehen. Doch ich hätte nicht gedacht, dass mit "Minen" wirklich etwas in dieser Größenordnung gemeint war. Uns war bewusst, dass es früher auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks Bergbau gab und Kupfer abgebaut wurde. Diese alten Stollen kann man auch heute noch besuchen und in die engen Gänge kriechen. Ich dachte, das wäre genau diesem Ort gemeint. Falsch gedacht. Nach kurzem Spaziergang fanden wir uns vor einem großen Stacheldrahtzaun wieder. An Umkehr war nicht zu denken. Viel zu weit wäre der Weg gewesen. Also liefen wir, mal wieder (siehe letzter Eintrag beim Tauchkurs), an Stacheldraht entlang und fokussierten in der Ferne eine Lichtquelle. Irgendwann tauchten hinter dem Stacheldraht links neben uns riesige Solarkraftwerke aus. Spätestens dann war uns klar, dass es nicht die erhofften Minen waren. Als wir dann riesige Kräne und Muldenkipper sahen und der einzige Durchgang mitten durch die Anlage führte, beschlossen wir geradewegs hindurch zu laufen. Am Eingangstor mit Security angekommen, erwartete ich das Schlimmste. Doch der Security war die Ruhe in Person und öffnete uns nach kurzen Tratsch das Tor.

Auch hier erwartete uns wieder ein langer Weg zur Hauptstraße, doch nach 20 Minuten haben wir uns auf die Straße gelegt, um den Sternenhimmel zu betrachten. Mitten in der Wüste ist das ein unbeschreiblicher Anblick. Doch plötzlich hörten wir in der Ferne ein Auto, das mit ordentlich Karacho auf uns zugerast kam. Wir räumten also schleunigst die unbeleutete Straße und der Jeep raste an uns vorbei. An den Rücklichtern sahen wir, dass wir noch einen weiten Weg vor uns hatten. Aber dann, schon an der Hauptstraße angelangt, drehte das Auto plötzlich um und kam wieder auf uns zu. Der Fahrer fragte uns, ob er uns bis zur Straße mitnehmen könnte und selbstverständlich haben wir zugesagt. Es waren Minenarbeiter. Ob sie uns nur dort entlang gefahren sind, weil wir vorher durch die Minien liefen? Ich weiß es nicht. Als sie uns an der Straße absetzten, hat der nächste Tramp nicht lange auf sich warten lassen. Das Erste Auto nahm uns mit. Es war ein Kibbutznik, ein Bewohner eines Kibbutz, eines von vielen hunderten kleinen Dörfern in ganz Israel, die nach (mehr oder weniger) sozialistischem Ideal zusammen leben. Das Kibbutz, aus dem er kam, ist noch bis heute streng sozialistisch. Alle Bewohner haben gleiches Einkommen, teilen sich mehrere Autos und arbeiten im Kibbutz gemeinsam für das Allgemeinwohl - ganz im Sinne von: "Jeder nach Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!"
Wir sprachen ein wenig mit ihm über sein Ideal und es gefiel ihm, dass wir den Freiwilligendienst machen. Deswegen fuhr er uns in Eilat genau bis vor die Tauchschule, wo wir genächtigt haben.

Wadi Shlomo & der Red Canyon

Nach dem Tauchkurs hatten wir noch einen Tag frei und wir wollten dann durch das Wadi (arabisch für Schlucht) Shlomo wandern, welches am Südstrand beginnt, und von dort auf die zweite große, nach Eilat führende Zufahrtsstraße (12). Am Abend vorher kauften wir noch einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln, begannen unsere Wanderung und bauten unser Zelt am Anfang des Wadi auf. Schon an diesem Abend hatten wir Bedenken aufgrund unseres Campinggaskochers, da wirklich nicht mehr viel Gas vorhanden war und wir noch 2x kochen müssten. Wir beschlossen also den Reis zuerst zu machen. Nach rund 10 Minuten im warmen Wasser stellten wir den Kocher ab.. mhhhhm. Harter Reis mit Soße und Mais. Der Mais hat das Essen noch einigermaßen erträglich gamacht, doch das Essen am nächsten Tag sollte alles toppen.

Eine Autokarawane im Wadi :D
Früh morgens bauten wir unser Zelt ab und begannen zu laufen. Man muss dazu sagen, dass wir unser ganzes Gepäck mitschleppten. Also Klamotten für eine Woche, Zelt, Essen und mindestens 4 Liter Wasser pro Person. Echt angenehm bei rund 30 Grad im Schatten!
Irgendwann machten wir eine Rast und wollten das restliche Essen zubereiten. Spaghetti mit Dosenbohnen und salzigen Gurken. Es reichte ja nicht schon, dass die Nudel nicht durchgekocht waren, nein, auch die Bohnen waren so abgrundtief abartig, dass ich mir einfach nur die Nase zugehalten habe und das "Essen" hinuntergewürgt habe. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an diese Bohnen denke. :D


Unser Rastplatz für eine Stunde

Nach gut 3 Stunden weiterer Wanderung erreichten wir die Hauptstraße und versuchten unser Glück durch Trampen. Denn unser Ziel war der 734 Meter hohe Mount Yo'ash, nur unweit entfernt. Als wir einen tramp fanden, hat sich dann noch eine weitaus bessere Möglichkeit ergeben. Ein junger Tourismus-Student hat uns in den "Red Canyon" mitgenommen und konnte und massenhaft Informationen zu Geologie und Botanik des Gebiets geben. Unter anderem zeigte er uns Pflanzen, von denen man in Notsituationen seinen Wasserhaushalt ein wenig verbessern kann und erklärte uns, warum es in diesem Canyon 4 unterschiedliche Gesteinsfarben gibt. Auch unsere Rucksäcke konnten wir in seinem Auto lassen, was natürlich ein Angebot war, welches wir uns nicht entgehen lassen haben.

Die folgenden Bilder zeigen sehr schön, wie auf kleinem Raum so viele unterschiedliche Gesteinsfarben auftreten können











Oh, erst hier fängt der Red Canyon an. Wir haben uns schon gewundert..


Diese Muster kommen da rein, weil einst schlammartige Schichten übereinander lagen und diese durch geoaktive Einwirkungen wie Erdbeben vermischt und schließlich versteinert wurden


Nach einer rund zweistündigen Tour kehrten wir zurück und der Tourguide bot uns an, uns sogar direkt mit nach Jerusalem zu fahren. Auch hier wieder ein klasse Angebot, da ich sonst noch eine Nacht irgendwo zelten und schließlich rund 20 Euro für den Bus von Eilat nach Jerusalem hätte zahlen müssen. Ich habe das gerne angenommen!!  :)

Purim - das israelische Karneval

Was Purim ist? Das weiß ich selbst noch nicht so ganz. Ich jedenfalls habe mehrere Versionen erzählt bekommen. Was aber einheitlich ist, dass Königin Ester die Juden durch Gebete vor dem Tod rettete, da ein persischer Berater den persischen König überzeugen wollte, dass alle Juden in Persien getötet werden sollen.

Dieser Tag wird jedes Jahr ausgelassen gefeiert. Schon Tage vorher freuen sich alle Leute unglaublich auf diese zwei Tage, überall kann man Kostüme und anderen Schnickschnack kaufen und der Alkohol ist drastisch heruntergesetzt.
Warum? Es ist eine Pflicht, sich an Purim zu betrinken. Selbst die orthodoxesten der Orthodoxen geben sich so dermaßen die Kante. Als ich in die Stadt fuhr, um mir selber Getränke zu besorgen, liefen alle mit diesen typisch schwarzen Plastiktüten herum, die einem beim Alkoholkauf gegeben werden, da Alkohol nicht auf der Straße gezeigt werden darf. Überall hörte man das Klimpern der Flaschen.

Auf meinem Weg zur Arbeit ist mir was ganz skurriles passiert. Als ich an einer Bushaltestelle wartete, fuhr ein Auto vor, drei Jungs und ein Vater stiegen aus, sagten "פורים שמח" (frohes Purim) und drückten mir Süßigkeiten in die Hand. Sie dokumentieren das Geschehen mit einem Foto und fuhren weiter.


Selbst Shekel hat eine Purim-Party veranstaltet. Hingegangen sind wir während der Arbeitszeit, also auch mit den Kleinen. Man hat deutlich gesehen, welchen Spaß sie hatten; ein Grinsen bis hinter die Ohren. Leider darf ich hier keine Fotos von ihnen hochladen!


Alle Shekel-Volos 14/15 :)

Am nächsten Tag war dann aber Purim in Jerusalem. Die ganze Stadt steht auf dem Kopf. JEDER hat Spass, es gibt keine Gewalt oder irgendwas, was man aus Deutschland kennt. Man liegt sich eher in den Armen, als dass die Fäuste fliegen. Die gesamte Innenstadt ist von Leuten überlaufen. So viele Hauspartys zur selben Zeit sieht man in Deutschland jedenfalls nicht. Dicke Bassboxen werden auf Balkone gestellt, damit auch die Leute was davon haben, die unten auf der Straße stehen. Überall sind Menschen. Überall. Ein einmaliges Erlebnis!

Mein Kostüm :)
Die Jaffo Street

Mein unterirdischer Geburtstag

Ich habe mir gewünscht, dass wir an meinem Geburtstag etwas machen, was ich schon länger machen wollte: in die größte Sandsteinhöhle der Region zu gehen. Der sogenannte Hariton cave befindet sich südlich von Jerusalem nahe der jüdischen Siedlung Tekoa in einem riesigen Wadi. Die Höhle ist ein Labyrinth aus verzweigten Gängen und erstreckt sich über drei Ebenen, die 4km in den Fels gehen. Natürlich ist es stockdunkel und man sieht ohne Taschenlampe gar nichts. Zum Glück hatten wir genügend Licht dabei und wagten uns in diese Untiefen. Begleitet wurde ich von Felix, Jelte, Simon und Jeltes Schwester Levke, die allerdings draußen geblieben ist.
Teilweise mussten wir durch 25 Meter lange Gänge robben, die kaum breiter als wir selber sind. Wer also Claustrophobie hat, sollte lieber draußen bleiben, denn ist man erstmal in einem Gang und sowohl vor, als auch hinter dir befindet sich jemand, ist da zunächst kein Entkommen.
Es gibt einen Hauptweg, der mit Pfeilen markiert ist und auf dem man auch bleiben sollte, doch natürlich suchen wir stets den Nervenkitzel und wagten uns in andere Gefilde. Wir achteten jedoch wirklich immer darauf, den Weg zurück im Kopf zu behalten, denn wenn man sich darin verirrt, kann es Tage, wenn nicht Wochen dauern, bis man gefunden wird. Kein Scherz. Normalerweise sollte man diese Höhle ausschließlich mit ortskundigem Guide betreten, der eine Karte von der Höhle besitzt. Selbstredend haben wir das nicht getan.


Die schwarze Iris - die Nationalblume Jordaniens
Sie blüht nur 1x im Jahr für eine ganz kurze Zeit. Echtes Glück also, dass wir sie gesehen haben!

Durch solche Gänge ging es sehr oft!


Sorry, Jelte, aber hier erinnerst du mich bisschen an Golum :D





Das ist der Hauptweg. Ratet wie breit dieser Gang ist. 1 1/2 Hände. Da bekommt das Wort "durchquetschen" eine ganz neue Bedeutung.
Irgendwann merkten wir jedoch, dass wir nicht so schnell wie erhofft voran gekommen sind und gingen den gleichen Weg zurück, da Levke ja draußen auf uns gewartet hat und wir immerhin schon 3 Stunden drin waren.


Endlich wieder Tageslicht!
Das Dritte DIV-Seminar. Thema: die Shoa

Noch vor dem Seminar, das wie jedes Mal im Rutenberg Institute in Haifa stattfindet, machten Rupi, ein Freund von Felix, der ihn aus Deutschland besuchen kam, und ich noch einen Abstecher in die alte Hafenstadt Akko. Geplant war eigentlich, dass wir von der 9 Meter hohen Stadtmauer aus ins Mittelmeer springen wollten. Doch vorort haben uns alle davon abgeraten, da wir nicht einheimisch seien und nicht wissen würden, wohin wir springen könnten. Auch hat Ebbe und Flut eine Auswirkung auf die Wassertiefe und anscheinend war bei unserer Ankunft Ebbe - es sah nicht sehr tief aus. Einmal hat also unsere Vernunft zu uns gesprochen und wir haben von unserem Plan abgelassen. Später stießen auch noch Magda und Julia zu uns und wir machten bei Sonnenuntergang ein paar coole Bilder auf der Mauer.





Ein alter Templertunnel




Am nächsten Morgen begann also das Seminar und unser erster Programmpunkt führte uns in das Rathaus von Haifa. Es ging um das 50 Jubiläum der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. Es kamen mehrere Bürgermeister großer deutscher Städte, die etwas zu Kulturprogrammen in der Stadt erzählten. Viel bla bla..^^
Danach fuhren wir zu einer Schule, in der Grundschülern auf ganz vereinfachte Weise der Holocaust erklärt wird. Die Pädagogin hat uns das alles so vermittelt, wie sie es mit den Kleinen gemacht hätte, damit wir einen Einblick erhalten können. Uns wurde ein Film gezeigt, der in den 60ern von einem polnischen Regisseur gedreht worden ist und "jede Sekunde eine Bedeutung hat." Ganz bewusst wurde auch darauf geachtet, dass keine Hakenkreuze oder SS-Logos gezeigt wurden, noch dass gesprochen wird, damit nur die Situation an sich analysiert wird.
Ich habe es abgefilmt: https://www.youtube.com/watch?v=jrhvlQC9k_k

Uh, ich bin wichtig.
Ich feier das Essen im Rutenberg Institute! :D













Danach sprachen wir mit einer unglaublich süßen älteren Dame, die Auschwitz überlebt hat und bis heute unermüdlich Vorlesungen in Deutschland und Israel gibt und schon 5 Bücher herausgegeben hat. Mit ihr werde ich demnächst auch ein Interview führen!

Desweiteren sprach ein orthodoxer Jude mit uns über das Thema "Die Orthodoxie und die Shoa" und schilderte, wie das Leben von orthodoxen Juden in Ghettos oder Konzentrationslagern noch stärker beeinflusst wurde, als es ohnehin schon war. Er erzählte von einem alten Rabbi, der während des Sukkot eine Brotkruste im Müll fand und sich unglaublich freute, es als ein Geschenk Gottes ansah.
Natürlich sollen Juden kosher essen, doch die Thora besagt auch, dass wenn das Leben in Gefahr ist, diese Gebote gebrochen werden dürfen, weil der Mensch überleben soll - das sei das Wichtigste.
Also aßen Juden alles mögliche, auch wenn es nicht kosher war. Doch als sich die Möglichkeit angebot, es wieder kosher zu machen, wurde es sofort wieder durchgeführt.
Auch erzählte er von einem Rabbi, dessen Bart an einen Karren gebunden wurde und dieser dann mit immer mehr Gewicht beladen wurde. Irgendwann konnte er das Gewicht nicht mehr stemmen und der Bart riss ab..

Am nächsten Tag fuhren wir in die Nähe von Nahariya in das "Ghettokämpfer"-Kibbutz Lochamei Hagetaot, wo wir uns die Kinderausstellung anschauten, in der die Welt von 1933 - 1945 aus Sicht eines Kindes dargestellt werden sollte. Es ist unglaublich gut gelungen.
Am Abend sind wir dann nach an den Strand gefahren, um das Erlebte ein wenig sacken zu lassen.
Mal wieder ein klasse Seminar gewesen!

Vor dem Museum
Die Originale aus dem Eichmann-Prozess!

Back to Jerusalem!
28.03. Das Wadi Qelt





Gefaehrliche Bewohner
Wasserfall in der Wüste! *-*










Der Banias-Park mit Rupi und Felix


Ein ganz besonderes Erlebnis war der Golan, zusammen mit Felix und Rupi. Wir haben uns drei Tage lang frei genommen, um den nördlichsten Norden, wo ich bis dahin noch nicht gewesen bin, zu erkunden.
Ziel war der Banias Nationalpark mit seinem Wasserfall und dem Baniasfluss.

In Kiryat Shmona angekommen, haben wir uns erstmal auf den Weg Richtung Osten gemacht, denn es waren noch 15 Kilometer von Kiryat Shmona aus. Hört sich zuerst nicht so viel an, doch man muss bedenken, dass wir auch Rucksack und Zelt dabei hatten und der Norden hügelig ist.

Jedenfalls war es schon dunkel, als wir losliefen. Auf halber Strecke haben wir versucht zu trampen und das allererste Auto hat uns mitgenommen. Und im Folgenden folgt wieder ein Beispiel grandioser israelischer Gastfreundlichkeit. Der junge Mann, der uns mitnahm, war auf dem Weg zu einer Freundin im Kibbutz haGoshrim. Er rief diese an und hat gefragt, ob wir bei dem Vater von ihr im Garten schlafen dürften. Ganz selbstverständlich hat der Vater uns eingeladen. Er selbst sprach sogar ein wenig deutsch und war wirklich ein herzlicher Mensch. Seit solchen Erlebnissen habe ich wieder ein wenig Hoffnung in die Menschheit bekommen.

Am nächsten Morgen haben wir ihn zwar nicht mehr gesehen, doch einen Dankesbrief ließen wir dort.


Also liefen wir weiter. Da der Norden Grenzgebiet zu Syrien und dem Libanon ist, gibt es sehr viele Minenfelder vergangener Kriege. Letztendlich nahm uns ein Arbeiter einer Apfelplantage mit und fuhr uns zu dem Eingang des Banias Nationalparks. Da Pesach, einer der wichtigsten Feiertage im Judentum, am nächsten Tag anfing, war der Park schon um 12 Uhr zu und wir wollten nicht nur für 2 Stunden den Eintritt bezahlen. Der Mann an der Kasse schlug aber vor, dass wir auf einem Wanderpfad bergauf zur Nimrodfestung wandern könnten. Gesagt, getan. Auf halben Weg habe ich dann meinen Tourguide, von dem ich mal in einem anderen post geschrieben habe, Yoav Biller, angerufen und ihn nach Geheimtipps gefragt, wo man denn hingehen könnte. Zuerst war er total begeistert, dass wir in Banias seien, denn es sei "nature at it's best." Und Unrecht hatte er nicht. Gerade im Frühling blüht dort ALLES in den unterschiedlichsten Farben. Er gab uns goldwerte Tipps, aber dazu später.


 





Wir liefen bis zur Nimrod-Festung hoch und wurden oben von einem Sicherheitstyp abgefangen. Auch hier war es schon geschlossen. Jedoch liefen wir nicht wieder einfach den Berg runter, sondern gingen in die andere Richtung, noch weiter nördlich. Auf dem Weg trafen wir eine deutsche Familie, die in Israel Urlaub machte und wir sind ein wenig mit ihnen gelaufen. An einem Amphietheater haben wir uns verabschiedet und dann noch ein wenig in der Sonne gelegen - mit Blick auf die Nimrod-Festung.




Nach rund zwei Stunden gingen wir dann in ein Drusendorf ganz in der Nähe, um noch ein bisschen einzukaufen und kehrten dann wieder zu dem Gebiet des Amphieteathers zurück, weil wir dort am besten zelten könnten.

Ein Kinya mit der Drusenfahne

 Kurz vor Sonnenuntergang hatten Felix und ich die Idee, an eine Klippe ganz unweit von unserem Zeltplatz zu gehen, um dort ein wenig die Landschaft zu genießen. Doch wie wir sind, blieb es natürlich nicht dabei. Wir hörten einen Fluss unter uns und wollten schließlich hinunterklettern. Wir sagten uns jedoch: entweder das oder der Sonnenuntergang - beides geht nicht. Wir entschieden uns für's Klettern. Im Nachhinein betrachtet, hätte diese Idee ziemlich mies ausgehen können, da wir selbstverständlich keine Kletterausrüstung und somit auch keine Sicherung hatten. Die Wände waren senkrecht, ultra scharfkantig - fast wie Messer - und der Weg nach unten über hundert Meter. Einmal ausrutschen oder ein Felsstück, das sich löst, und das war's dann. Jedoch hatten wir unverschämtes Glück und sind nur mit paar Kratzern unten angekommen. Dort hat sich ein wunderschönes Wadi mit sogar intaktem Fluß gezeigt. Schade, dass wir nicht viel Zeit hatten, da die Sonne untergegangen ist und wir ja noch irgendwie wieder hochkommen müssten. Wenn Luca und Clara aber im August kommen, gehe ich dort auf jeden Fall mit ihnen hin!








Der Weg zurück war einfacher, denn die Schlucht begann an einer Straße mit einem drusischen Heiligtum und im Gelände nebenan wartete Rupi mit unserem Zelt. Wir gingen relativ früh schlafen, um den nächsten Tag gut nutzen zu können. Wären da nicht noch ein paar ungebetene Gäste gewesen. Ein Rudel Wildhunde streifte um das Zelt herum und jaulte mehrmals in der Nacht. Es sah zwischenzeitlich so aus, als ob sie uns einkreisen wollen würden. Und wäre das nicht schon schlimm genug, kamen auch noch Wildschweine dazu. Ja, Wildschweine. Ich wusste auch nicht, dass es die in Israel gibt. :D


Am nächsten Morgen begaben wir uns früh zur Nimrod-Festung. Die Burg Nimrod wurde wahrscheinlich von Saladins Neffen al-Aziz Uthman erbaut und sollte den Weg von Galiläa nach Damaskus überwachen. In der Zwischenzeit wechselte sie oft den Besitzer und wurde letztendlich im 18. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört. Heute wird sie durch Israel verwaltet und gilt als Nationalpark.
Einer Legende nach soll hier der Ort sein, wo der Jäger Nimrod, König von Shinar und der Neffe von Noah von Allah bestraft worden sei, indem ein Mosquito in seinem Kopf war, der in Verrückt werden ließ (Anmerkung von mir: Tinnitus?)



Nachdem wir uns die Burg angeschaut haben, liefen wir den Berg hinab zur Baniasquelle, wo uns auf dem Weg ein paar Kühe mit miesen Hörnen im Weg standen und wir erstmal einen Bogen um sie herum machten und über einen Zaun kletterten.
Der Banias Nationalpark beginnt an der Baniasquelle, welche schon von den alten Griechen als Heiligtum des Pan (Gott der griech. Mythologie) genutzt wurde. Noch heute sieht man Überreste von Säulen und Nieschen im Fels, worin Götterstatuen standen.


Vorher
Nachher


Nachdem wir den Park bis zum Ende durchliefen, kommen wir nun zu einem Tipp des Tourguides. Außerhalb des Geländes liegt ein alter syrischer Panzer, der von einer Klippe gerutscht und auf dem Kopf gelandet ist. Er bildet eine Art künstlichen Staudamm und ist ein beliebtes Fotomotiv und Ort zum Chillen. Es ist nämlich wirklich idyllisch da - der Gegensatz ist so krass. Ein Gefährt, das zum Töten da ist, liegt zerstört in einem Flussbett, wo Familien hingehen, um dem Rauschen des Flusses zu lauschen und den Kindern beim Spielen auf dem Panzer zuzuschauen. Grausiges Detail: Die Leichen der Besatzung wurden übrigens nie geborgen und vermodern noch heute im Innern des Panzers.



Nach rund 2 Stunden machten wir uns auf in Richtung Westen, den Flusslauf entlang. Wir suchten einen Übergang, denn der Tourguide nannte uns ein Kibbutz, wo ein super Campingplatz wäre und wir dort am besten schlafen könnten. Wir sollten für "nichts stoppen" und immer auf dem roten Pfad bleiben. Irgendwann kam eine Absperrung, doch wir hörten, zum Glück, auf ihn und liefen den Roten Pfad weiter entlang; durch wunderschöne Natur.






Irgendwann kamen wir zu einer Vereengung und dachten uns, dass es das sein müsste, was er meinte. Dahinter lag ein Campingplatz. Doch der Versuch des Überquerens war schwerer als gedacht. Schon ohne Zusatzgewicht war es schwer, sich auf den Beinen zu halten. Der glitschige Boden hat das nicht erleichtert. Schließlich müssten wir ja noch irgendwie mit den schweren Rucksäcken rüber. Irgendwann sahen wir ein, dass das keine gute Idee ist. Wären wir mitsamt der Rucksäcke ausgerutscht, wären Spiegelreflexkamera, Camcorder, paar Handys usw. hin gewesen. Also ließen wir es. Wir liefen einen Kilometer weiter und dann kam eine Brücke über den Fluss. "Toll", dachten wir uns. All der Stress umsonst. :D Und tatsächlich hat diese Brücke genau zu dem Campingplatz geführt, von dem er geredet hatte. Dort angekommen, riefen wir den Besitzer an, der pro Person ca. 30 Shekel verlangte (~6 Euro). Als wir meinten, wir seien Volontäre, lies er uns umsonst übernachten. Schon wieder diese israelische Nettigkeit.
Der Campingplatz war so schön und ruhig! Wir hatten freien Kaffee, die erste Toilette seit 3 Tagen und warme Duschen! Bingo!

Felix will mit einem Speer angeln gehen





Am nächsten Morgen realisierten wir, wo wir waren. Im Kibbutz, in dem wir zwei Tage vorher bei dem Mann im Garten genächtigt haben. Von da aus ging es per Tramp wieder nach Kiryat Shmona und dann nach Jerusalem. Insgesamt tolle Tage!!

Mit der Arbeit nach Tabgha

Ein besonderes Erlebnis war, dass wir mit der Arbeit nach Tabgha an den See Genezareth fuhren. Dort waren wir in einem Ferienresort bei der Kirche, von der ich letztes Jahr geschrieben habe. Wir hatten unteren anderem Programmpunkte wie Trommeln, eine Bootstour auf dem Jordan, Karaoke und gemeinsames Grillen. Leider darf ich hier, wie schon oben genannt, keine Bilder von residents hochladen, weswegen das meine Auswahl stark einschränkt.


Muhamad, ein worker von mir und ...
... Menachem, der Chef aller unserer Apartements, landen im Wasser^^
Chillen im Pool! Läuft.


                                                      Jelte mit seinem Geburtstagschenk - einem Stück Butter!
יום השואה Der Holocaust-Gedenktag

Am 16.04 stand um 10 Uhr die Welt für 2 Minuten still, so schien es. Im ganzen Land heulen die Sirenen, alle Autos, Busse, Züge, Menschen bleiben stehen und denken an die Ermordeten im Holocaust. Leute fangen zu weinen an, umarmen sich. Doch nachdem die Sirenen ausgeheult hatten, ging alles seinen gewohnten Weg. Aber irgendwie hatte der ganze Tag eine gedrückte Grundstimmung - ist ja irgendwie verständlich.

Hier ein Beispiel auf der Autobahn in Tel Aviv
https://www.youtube.com/watch?v=OeozUSWdoQA

Hier mein Video im Zentrum Jerusalems
https://youtu.be/HO6D-KmWs4I

יום העצמאות - Der Unabhaengigkeitstag

Für diesen Tag (22/23.04) habe ich mir eigentlich frei genommen, da es eines der besten Erlebnisse während eines Aufenthalts in Israel sein kann. Doch leider kam es anders als gedacht und ich lag mit Fieber im Bett. Am Abend fängt die größte Feier an, die man sich vorstellen kann. In der Stadt sind mehrere Bühnen aufgebaut, es gibt Feuerwerk und alle Menschen sind unglaublich gut drauf. Schade, denn ich hätte das sehr gerne miterlebt. Da aber Tage in Israel bei Sonnenuntergang beginnen und nicht erst um 0 Uhr nachts, hatte ich noch den nächsten Tag die Möglichkeit, etwas zu erleben. Die ganze Stadt riecht nach Barbecue, denn wirklich jede Familie grillt. Wohin man blickt, man sah eine Israelfahne. Dann gibt es jedes Jahr eine Flugshow der Airforce über allen großen Städten im Land. Zuerst fliegen Militärflugzeuge und Helikopter über die Städte, gefolgt von Passagierflugzeugen im Tiefflug. Am Ende kamen dann Stuntflugzeuge und legen eine unglaublich coole Performance hin. Seht selbst.



 











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